Vereinsgeschichte des MVF

Dieser Artikel stammt aus der Festschrift anlässlich des 100-jährigen Jubiläums im Jahre 1956

Vereinsgeschichte

Am Rande vermerkt !   –  und höchst privat !

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder eines jeden Vereins wächst zumeist nicht nur allein durch die Ausübung seiner Aufgaben, sondern erhärtet sich zugleich durch jene komisch eigenartigen Begebenheiten, welche nach einem zeitlichen Abstand das Wesen einer echten Anekdote annehmen.

Diese kleinen Kostbarkeiten aus der intimen Chronik des Musikvereins Frielingsdorf verdanken wir größtenteils dem mit größter Gewissenhaftigkeit geführten Protokollbuch, in welchem jedes Vereinsereignis in kurzer Zusammenfassung festgehalten wurde. Protokollführer Albert Ommer hat hier, seit der Aufnahme seiner Tätigkeit, hervorragendes geleistet und schaffte damit die Quelle zu beziehungsreichen Erinnerungen der letzten zehn Jahre.

Aber auch unsere Vereinsveteranen wußten einprägsame Erlebnisse zu bewahren, um sie uns Jüngeren bei gegebenen Anlässen zu übermitteln. So erhielt sich bis zum heutigen Tage jene tragikkomische Geschichte vom zermalmten Es-Horn, welche sich in der Zeit begab, da Johann Albert Sauermann noch die Geschicke des Vereins leitete.

Es waren die Jahre, in denen die Mitglieder des MVF bei jedem benachbarten Schützenfest sehnlichst erwartet wurden. Die Gimborner Johannes-Kirmes war eben beendet worden und der nachfolgende Mittwoch sah bereits wieder die Verpflichtung zur Engelskirchener Peter und Paul-Kirmes vor. Noch standen keine Autos zur Verfügung und auch der „Leppe-Expreß“ war noch nicht geboren. Jugend hatte auch damals schon keine Tugend und mit dem Gimborner Kirmesspielgeld in der Tasche, dem Frohsinn im Herzen und frei von Finanzamtssorgen fuhr man auf dem Leiterwagen nach Engelskirchen, während ein gewisser Teil der Musiker den Vereinstransport auf Schusters Rappen durchführte.

Der erste Es-Hornbläser des Musikvereins, Julius Fischer, war mit einem funkelnagelneuen Horn ausgerüstet worden und sollte nun in Engelskirchen besondere Ehre einlegen. Julius auf dem Leiterwagen war nun allerdings noch von Gimborn her leicht angemüdet -oder gar schlimmeres, und so geschah es, daß ihm während der holperigen Fahrt das beste Instrument des Vereins entglitt und haargenau unter das Wagenrad geriet. Die platten Überbleibsel des einst so stolzen Hornes wurden dann von ihm in einer Anwandlung von Wut und Enttäuschung in 100 Einzelteile zerlegt, so daß endlich überhaupt nichts mehr übrig blieb.

Diese Geschichte war im Vereinskreis von so einschneidender Wirkung, so daß sie noch heute von unseren ältesten Vereinsangehörigen mit leuchtenden Augen nacherzählt wird.

Fast unglaublich erscheint uns heute auch die Beschaffung der Musikinstrumente in den Nachkriegsjahren vor der Währungsreform. Den damaligen Schwierigkeiten seien hier einige Worte gewidmet. Etwa 20 Jungen aus der Pfarrgemeinde wollten vom „Weißen Jupp“ musi kalisch ausgebildet sein, und die Zeit rechnete nicht mit Reichsmark, sondern mit Zigaretten als Währungsbasis. Ehemalige Musiker aus der Heimatkapelle, welche von den Ausbildungsbestrebungen gehört hatten, spendeten sofort bedenkenlos ihre Blasinstrumente, so daß vorerst einmal etwa 10 Jungen damit versorgt werden konnten. Vieles mußte improvisiert werden: ein Althorn mit einem Trompetenmundstück war in jenen Wochen genau so gut denkbar, wie man den Es-Baß mit einem Posaunenmundstück versehen hatte.

Zwei Zentner Kartoffeln, welche von den jungen Musikfreunden in Tüten eingebracht wurden – leider waren sie alle keine Landwirtssöhne – stellten den „Kaufpreis“ für eine Posaune und ein Waldhorn dar. Man tauschte hin, man tauschte her, als ob‘s im tiefsten Urwald wär! „Ringkompensationen“ über die Nachkriegsalkoholika gegen zwei echt lederne Aktentaschen ergaben den Kapitalschuß für die vorwärtsstrebende Musikjugend, denn auf solchen Umwegen erwarb man eine gute B-Tuba und einen Bariton. Den zweiten B-Baß zu erwerben, blieb dem „Weißen Jupp“ vorbehalten. Mit einem Eimer Apfelkraut und 500 Reichsmark aus wohlwollenden Spenden sah man ihn eines Tages „per Anhalter“ in Richtung Wuppertal auf große Fahrt gehen. Dort war der sogenannte „Affenspeck“ sehr begehrt und mit der Miene eines königlichen Kaufmanns kehrte er zurück, um das Instrument stolz und feierlich seiner Bestimmung zu übergeben.

Welche Fülle von Idealismus gehört doch dazu, in jener Zeit einen 50 km langen Weg nach Hagen i. W. auf dem Fahrrad zurückzulegen, nur um ein Hornmundstück im Austausch gegen ein Schwarzbrot zu erwerben!?

Auch zu diesem vereinsfördernden Einsatz fühlte sich der heutige Musikleiter in der Schwere der Zeit berufen.

Wenn nun heute im Zusammenklang der blanken Instrumente sich das dankbare Publikum von Herzen begeistert und wir in seinem Beifall den Lohn unserer Bestrebungen erkennen, wollen wir in einer Minute der Erinnerung auch nicht vergessen, wie schwer aller Anfang der Nachkriegsjahre für jeden von uns gewesen ist.

Lebe, wie du, wenn du stirbst
wünschen wirst gelebt zu haben.