Die Neugründung nach dem 2. Weltkrieg

Die Chronik des nach dem 2. Weltkrieg wiedergegründeten Musikvereins Frielingsdorf beginnt mit dem Satz: „Es war im September 1945, als Josef Frielingsdorf, nachdem er im Juni aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, eine Schar junger Burschen um sich sammelte, um dieselben in der Musik auszubilden.“

Josef Frielingsdorf hatte seinen Militärdienst in einer Infanterie-Kapelle absolviert und war dort zum Korpsführer aufgestiegen. Die fachlichen Kenntnisse, die er dort gewann, waren in musikalischer Hinsicht für den Musikverein Frielingsdorf von grundlegender Bedeutung, wie sich in den folgenden 25 Jahren herausstellen sollte.
Als Kenner der Frielingsdorfer „Dorfszene“ ging Josef Frielingsdorf bei seinem Plan, den Musikverein wieder ins Leben zu rufen, geschickt vor. Er begeisterte einige Jugendliche, die den Gedanken im gesamten Kirchspiel Frielingsdorf verbreiteten, um so alle Interessierten der „Dörfer“ von Frielingsdorf zur Interessengemeinschaft der Musik zusammenzufassen. Mit der Probenarbeit wurde im September 1945 begonnen. In der Christnacht 1945 stellten sich die Jungmusiker mit Weihnachtsliedern der Öffentlichkeit vor.
Das Bestreben von Josef Frielingsdorf, den wieder als angestammten und der Tradition verpflichteten Musikverein Frielingsdorf ins Leben zu setzen, konnte nicht ohne die vor dem Weltkrieg aktiv gewesenen Musiker geschehen. Der Zusammenschluß mit den älteren, aktiven Musikern gelang nicht auf Anhieb. Erst nach Vermittlung des damaligen Pastors Martin kam der Zusammenschluß zustande. Nunmehr hatte der Verein 32 aktive Mitglieder; im November 1946 erfolgte die offizielle Neugründung des Musikvereins Frielingsdorf.
Die Jahre 1946 und 1947 wurden genutzt, um den Musikverein Frielingsdorf in der Gemeinde Lindlar vorzustellen. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Anlässe für das musikalische Auftreten des Vereins: Am Montag, dem 30. September 1946, fuhr zum erstenmal nach dem Krieg die Eisenbahn von Köln nach Lindlar. Der Verein empfing den Zug mit Musik. Danach gaben die Frielingsdorfer ein Platzkonzert in Lindlar, und am Krankenhaus wurde den Patienten ein Ständchen gebracht.
Ein weiteres Ereignis, bezeichnend für diese Zeit, war an 17. September 1947 die Einweihung der „Jammertal-Briicke“ (Brücke in Ober-Habbach), die den Verkehr zwischen Frielingsdorf und Wipperfürth wieder ermöglichte. Der Musikverein holte die Busse der Wupper-Sieg an der Brücke ab und begleitete sie mit Musik bis nach Frielingsdorf.
Die Rückschau auf das Jahr 1947 ist in der Chronik so beschrieben: „Das Jahr, von dem wir uns etwas mehr versprochen hatten als von den vorangegangenen, haben wir schwer hinter uns gebracht“. Es folgt eine Aufzählung von Lebensmittelpreisen. So kostete z. B. ein Zentner Kartoffeln 400 bis 500 Reichsmark. Für zwei B-Tuben (Bässe), die der Verein 1948 kaufte, mußten 1000 RM und 30 Glühlampen gezahlt werden.
Am 10. und 11. April 1948 veranstaltete der Musikverein Frielingsdorf unter Mitwirkung des Männergesangvereins „Liederkranz“ und des Kirchenchores „Cäcilia“ das erste Stiftungsfest nach dem Kriege. Der Saal war an beiden Tagen ausverkauft. Ausführlich wird in der Chronik die Währungsreform vom 20. Juni 1948 beschrieben. Als erste Einnahme wurden 36,13 DM aus Gimborn verbucht.

In Frielingsdorf durfte beim Schützenfest vom 25. bis 27. Juli 1948 erstmalig nach dem Krieg wieder der Schützenvogel geschossen werden, und zwar mit einer Armbrust. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Musikverein.
Das Jahr 1949 brachte neben den schon zur Routine gewordenen musikalischen Verpflichtungen ein auswärtiges Mammutschützenfest von sechs Tagen. Vom 6. bis zum 11. Juni spielte der Musikverein in Linnich. Für alle Teilnehmer blieb dieses Schützenfest unvergessen.
Im Mai 1951 beteiligte sich der Musikverein an einem Wettstreit (in Thier, Oberbergischer Kreis) und errang einen beachtlichen Erfolg. Liest man in den Aufzeichnungen der Chronik nach, so wird deutlich, daß sich der Musikverein Frielingsdorf im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Familie versteht. Da heiratet ein Mitglied, die älteren Mitglieder haben Silberne Hochzeit, da wird Namenstag gefeiert, und auch die Geburtstage der Dorfvereine (z.B. 1951 das60-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Scheel) werden gebührend berücksichtigt.
In diesem Vereinsgeschehen gelten die Pflichten, denen man verdienten aktiven Musikern gegenüber nachkommt, als Selbstverständlichkeit und Ehre, auch bei traurigen Anlässen. So geleitet der Musikverein sein Ehrenmitglied Wilhelm Lucas am 20. Februar 1951 mit dem Trauermarsch von Chopin zur letzten Ruhe. Der Musikverein Frielingsdorf hat, und das können sicherlich viele Frielingsdorfer bestätigen, stets das Bestreben gezeigt in musikalischer Hinsicht etwas zu leisten. In diesem Zusammenhang ist dann die Gründung des Tambourkorps zu erwähnen. Beim Schützenfest 1951 in Frielingsdorf stellte sich der Musikverein mit dem neugegründeten Spielmannszug der Öffentlich-keit vor.
Wurden die Jahre von 1945 bis 1951 in der Chronik detaillierter festgehalten, dann wohl deshalb, weil man in dieser Zeit richtungsweisend die Zukunft ins Auge faßte. Zum anderen zeigen gerade diese Jahre den Willen des Musikvereins zu Neuem und gleichzeitig sein Traditionsbewußtsein. In diesem Zusammenhang sollte festgehalten werden, daß besonders diese Jahre geprägt sind von der engen Zusammenarbeit der Frielingsdorfer Vereine. Der Wunsch bleibt bestehen, daß die Zusammenarbeit aller Dorfvereine auch in Zukunft bestimmend sein möge.
Die allgemeine Vereinsführung liegt in bewährter Art in den Händen des damals jährlich gewählten Vorstandes. So ist der Musikverein immer von aktiven Vorstandsmitgliedern geführt bzw. beraten worden. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde manche Idee verwirklicht, die immer das Wohl des Vereins zum Ziele hatte.

So experimentierte man Anfang der 50er Jahre, um das musikalische Spektrum auf unterhaltendem Gebiet zu erweitern. Hierzu gehörte die Anschaffung von Mundharmonikas. Vereinsmitglieder bildeten ein Mundharmonika-Quartett, das vom Orchester begleitet wurde. Außerdem stellte man ein Salon-Orchester (große Tanzkapelle mit Streichern) zusammen. Solche Aktivitäten dienten in den 50er Jahren dazu, den Verein weit über die Gemeinde- und Kreisgrenze hinaus bekanntzumachen. Weiterhin wurde durch diese Aktivitäten die Bereitschaft demonstriert, Leistungen zu erbringen.