Die Jahrhundertwende

Um die Jahrhundertwende waren außerdem Ernst Stein, Johann Ufer, genannt „Euren Johann“, Julius Fischer, Johann Albert Ufer, Julius Uberberg, Johann Fischer, die Brüder Wilhelm und Josef Selbach sowie August Steinbach Mitglieder des Vereins. Wilhelm Lucas, auch ein Aktiver aus dieser Zeit, nutzte seinen Hang zur Musik, indem er in einer Militärkapelle seinen Soldatendienst leistete.

Zur Verdeutlichung dieser Zeit sei hier angemerkt: 1896 erhielt Frielingsdorf seine Wasserleitung. Die Anlässe, zu denen der Musikverein auftrat, waren in jener Zeit neben den kirchlichen Verpflichtungen (Prozessionen), Schützen- und Wald-Festen in der näheren Umgebung. Diese musikalischen Aktivitäten liefen in der gewohnten Vereins-Routine ab, bis der 1. Weltkrieg 1914-1918 das Musikleben in Frielingsdorf fast zum Erliegen brachte,

Dem Krieg haben die Mitglieder des Musikvereins ihren Tribut gezollt, einige verließen den Verein für immer. Bei der Todesnachricht von August Steinbach hatte der Dirigent Sauermann neben seinem Freund auch seinen besten Trompeter zu beklagen. Dem musikalischen Streben von Johann Albert Sauermann ist es zu danken, dass kurz nach dem Krieg der Musikverein wieder aktiv wurde. Wie es so ist in der Geschichte, so ist das „Ereignis Krieg nicht mit dem Datum zu Ende, sondern wirkt gleichfalls auch auf den Gemeinschaftsgeist, und das unter manchen Gesichtspunkten.

Es sei hier auch erwähnt, daß 1921 Frielingsdorf dem Elektrizitätsnetz angeschlossen wurde. Es ist heute nicht mehr feststellbar, ob nun die „wilden zwanziger Jahre“ oder der technische Fortschritt „Elektrizitätsversorgung“ die Auslösung für gewisse Reaktionen auf Kosten des Gemeinschaftsgeistes verursachten; fest steht: Am 10. Juni 1925 wurde zum Leidwesen des Musikvereins Frielingsdorf die „Oberbergische Feuerwehrkapelle Scheel“ gegründet. Das Mitglied des Musikvereins Frielingsdorf, Wilhelm Lucas, wird Dirigent dieser Feuerwehrkapelle.

Das vorliegende Protokollbuch der Feuerwehrkapelle zeigt die Abgrenzung:

II. Mitgliedschaft:

„In den genannten Verein können nur Mitglieder aus der Ortschaft Scheel aufgenommen werden“.
Eine Anmerkung zur Führung des Protokollbuches der Feuerwehrkapelle: eine exakte Chronik, nüchtern dokumentiert. Der Sorgfalt des Schriftführers Josef Müller, genannt „Christ-Müllersch-Jüppchen“, ist es zu danken, daß der genaue Anfang der aktiven Musikertätigkeit unseres Ehrenvorsitzenden Otto Rausch bekannt ist: Am 18. April 1926 begann er in der Feuerwehrkapelle. Otto Rausch und Josef Müller waren nach 1945 Vorsitzende des Musikvereins Frielingsdorf.
Aus welchem Grund auch immer Wilhelm Lucas das Dirigentenamt in Scheel übernommen hat, er wußte, welche Arbeit ihn erwartete. Alle Gründungsmitglieder dieser Kapelle begannen am 10. Juni 1925 ohne Musikkenntnisse, wie das Gründungsmitglied Josef Blumberg (Landwehr), versicherte. In wieweit den Frielingsdorfern, oder auch den Mitgliedern des Männergesangvereins „Liederkranz“ der 7. Juni 1926 als Erfolgstag in Erinnerung ist, bleibt ungeachtet; beim Sängerwettstreit in Hunstig hatte der „Liederkranz“ einen beachtlichen Erfolg. In Anerkennung dieses Erfolges empfing der Musikverein den Gesangverein auf der „Ente“ und gratulierte mit einem Ständchen.
Anhand der Chronik ist das Honorar der Schützenfeste bekannt, das der Musikverein in den zwanziger Jahren bekam. Um 1925 kostete Konzert- und Marschmusik für ein zweitägiges Schützenfest zwischen 200 und 250 Mark, Tanzmusik wurde getrennt berechnet. Das Probenlokal des Musikvereins war das Gasthaus „Zur alten Linde“, Wilhelm Ommer. Die Musiker aus dieser Zeit wissen zu berichten, daß Rosalia Ommer („Ommersch Salchen“), im Winter die Küche für die wochentags stattfindenden Proben zur Verfügung stellte, weil es im Saal zu kalt war.
Die aktiven Musiker dieser Zeit waren verpflichtet, beim Dirigenten Sauermann Einzelunterricht zu nehmen, um den musikalischen Anforderungen gerecht zu werden. Willy Römer, ein Aktiver dieser Zeit, weiß davon zu berichten, daß zwischen Dirigent Sauermann und Josef Frielingsdorf (Weißen Jupp) fachliche Auseinandersetzungen aufkamen. Der Weiße hatte nach Meinung des Dirigenten eine unzweckmäßige Trompetenhaltung, was nach Auffassung von Sauermann eben „schiefen Ansatz“ zur Folge hatte. War vielleicht diese Auseinandersetzung der Grund für Josef Frielingsdorf, am 6. Juni 1928 in die Feuerwehrkapelle Scheel zu wechseln?
Ein Ereignis darf in dieser Kurzfassung der Chronik des Musikvereins Frielingsdorf nicht unerwähnt bleiben: Im Oktober 1926 feierte Johann Albert Sauermann das 40 jährige Dirigenten-Jubiläum. In den 30er Jahren war auch in Frielingsdorf die Arbeitslosigkeit zu spüren, und viele Frielingsdorfer gingen in dieser Zeit auf die „Walz“; man versuchte sich auf jede mögliche Art und Weise durchzuschlagen.
Unter diesen Umständen gingen die aktiven Mitglieder Josef Frielingsdorf und Willi Steinbach als Musiker zur Schutzpolizei später waren beide Musiker in einem Infanterie-Musikzug. Zum Gedenken an Willi Steinbach sei hier darauf hingewiesen, daß er nach 1945 den Musikverein Wipperfürth über lange Jahre geleitet hat.
Der Musikverein Frielingsdorf hat auf die Musiker der Nachbarkapellen immer eine gewisse Anziehung ausgeübt. Wahrscheinlich war die Voraussetzung zum Musizieren und der Vereinsgeist hierfür ausschlaggebend. So sind immer auswärtige Musiker nach Frielingsdorf zum Musizieren gekommen. Paul Kremer aus Linde ist bei ehemaligen Musikern noch als guter Trompeter bekannt. Weiterhin erinnert man sich an zwei Musiker, die aus Thier zum Musizieren nach Frielingsdorf kamen.
Im Jahre 1933 feierte der Schützenverein Frielingsdorf sein 50-jähriges Bestehen. Das Fest fand in einem feierlichen Rahmen statt. Alle Ortsvereine beteiligten sich bei den Feierlichkeiten.
Ab dem Jahre 1933 waren die freien Entscheidungen, in Bezug auf die musikalischen Tätigkeiten, eingeschränkt.
Am 11. Dezember 1935 stirbt Johann Albert Sauermann. Fast bis zu seinem Tode, 49 Jahre, war er der Dirigent des Musikvereins. Sein Musikverein Frielingsdorf begleitete ihn zu seiner letzten Ruhestätte.
Die musikalische Leitung des Musikvereins ab 1935 übernahm der Tubist Johann Albert Ufer („Lemms Dicke“). Die Musik dieser Jahre war mehr der eigenen Unterhaltung gewidmet; die nötige Zielstrebigkeit in der Probenarbeit fehlte. So wissen die Musiker dieser Jahre zu berichten, daß nach einer gewissen Probenpflicht das Mundstück mit dem Schnapsglas getauscht wurde.
Die musikalischen Verpflichtungen in der näheren Umgebung wurden wahrgenommen; neben dem gewohnten Jahresprogramm sind keine bemerkenswerten Ereignisse in den Vereinsbüchern vermerkt. Als letzte Eintragung im Protokollbuch ist am 4. September 1938 das Sommerfest in Berghausen aufgeführt. Man kann davon ausgehen, daß die musikalische Arbeit des Musikvereins Frielingsdorf ab 1939 auf das Minimum herabgesetzt und bis 1945 kein Vereinsleben möglich war.