Die 60er Jahre

In diesen Jahren war man im musikalischen Bergischen Land bemüht, im Interesse der Volks- und Blasmusik einen engeren Zusammenschluss der vielen Bergischen Blasorchester und Tambourkorps anzustreben. So fand am 8. Mai 1960 das erste Kreis-Musikfest in Bergisch-Gladbach statt. Gleichzeitig wurde die „Kreisförderungsgemeinschaft zur Pflege der volkstümlichen Musik“ proklamiert. Der Musikverein Frielingsdorf war selbstverständlich Mitgründer dieser Fördergemeinschaft.
Diese Fördergemeinschaft galt im Bergischen als Wegbereiter für den in Süddeutschland schon lange existierenden Volksmusikerbund. Für die folgenden Jahre waren es gerade die Fördergemeinschaft und ab 1962 der Volksmusikerbund, die eine musi-kalische Leistungssteigerung im Bergischen Land ermöglichten.
In der Chronik ist übrigens ein (vielleicht beabsichtigtes) Kuriosum zu finden: Seit 1946 wurden heiratende, aktive Musiker mit einer Schrankstanduhr beschenkt. In den 60er Jahren waren es Kordeluhren, bis dann Mitte der 60er Jahre das Geschenk „Uhr“ nicht mehr aktuell war. Sollte damit etwa die „Erziehung“ der Musiker zur Pünktlichkeit erfolgreich abgeschlossen sein?
Weitere Ereignisse im Frielingsdorfer Vereinsleben waren die 40-Jahr-Feier des Männergesangvereins „Liederkranz“ am 18. und 19. Juni 1960 Sowie die 100-Jahr-Feier des Kirchenchores „Cäcilia“ am 4. und 5. Mai 1963.
Diese kulturtragenden Vereine und der Musikverein zeigen die lebendige musikalische Tradition von Frielingsdorf. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß gerade die Tradition von Musikverein und Kirchenchor in den musikalischen Leistungen der Herren Friedrich und Johann Albert Sauermann begründet ist.
Bisher ist in dieser Kurzfassung der Vereinsgeschichte von der Tradition des Musikvereins berichtet worden. Aber was wäre der Verein mit seiner Tradition ohne seine verdienten Mitglieder! Der Begründer Friedrich Sauermann und sein Sohn Johann Albert Sauermann sowie der Musiker und Dirigent Wilhem Lu-cas sind nach wie vor Symbole der Vereinstradition.
1962 wurden auf dem 106. Stiftungsfest weitere verdiente, aktive Musiker mit Ehrenzeichen des Volksmusikerbundes ausgezeichnet. Heinz Krause, Hans Marienfeld sen., Otto Rausch und Josef Frielingsdorf wurde die Ehrung zuteil. Josef Frielingsdorf erhielt zudem das silberne Dirigenten-Bundesehrenzeichen für seine besonderen Verdienste um die Pflege der Deutschen Volksmusik.
Der Musikverein hatte mittlerweile einen guten Ruf gewonnen, was ihn ermunterte, so manches interessante Konzert auszuführen. Ein Leistungsvergleich mit anderen Blasorchestern wurde auf freundschaftliche Weise in Gemeinschaftskonzerten angestrebt. Aber ein wahrer Stand des musikalischen Vermögens kann nur durch die Teilnahme an überregionalen Wertungsspielen ermittelt werden. So wurde in der Jahreshauptversarnmlung 1963 der Entschluß gefaßt, am Landesmusikerfest vom 25. bis 27. Mai 1963 in Wipperfürth teilzunehmen und sich den Wertungsrichtern zu stellen. Mit einer ehrenvollen Auszeich-nung an drei Bergische Musikvereine begann das Landesmusikfest in Wipperfürth. Die Musikvereine Kürten, Wipperfürth und Frielingsdorf, jeder über hundert Jahre alt, wurden mit der Bundesehrenmedaille am Bande ausgezeichnet.
Das Wertungsspiel in der Mittelstufe erbrachte einen ersten Rang mit 116 von 120 möglichen Punkten. Mit diesem Erfolg war der Musikverein Frielingsdorf als leistungsstarkes Orchester herausgestellt.
Als ein weiteres Dorfereignis sei hier die 100-Jahr-Feier der Kolpingfamilie Frielingsdorf am 5. Oktober 1963 erwähnt. Der Kommersabend wurde umrahmt von den musikalischen Vorträgen der drei kulturtragenden Vereinen (Liederkranz, Kirchenchor, Musikverein).
Am 26. April 1964 nahm der Musikverein wiederum an dem in Köln-Kalk stattfindenden Bezirksmusikfest des Deutschen Volksmusikerbundes teil, das auch mit einem Wertungsspiel verbunden war. Einen 1. Rang hatte man erwartet, die erreichten 113 von 120 möglichen Punkten zeigten aber einen „Leistungsschwund“ gegenüber dem Erreichten des Vorjahres – der Musikverein war nicht recht zufrieden mit seiner Leistung. Ohne selbstzerstörerische Diskussionen wurde die Enttäuschung in ehrgeiziger Probenarbeit erstickt.
Ein vereinsinternes Ereignis darf in dieser Berichterstattung nicht fehlen: Auf dem Familienahend im November 1964 trat der langjährige Protokollführer und Schlagzeuger Albert Ommer als aktiver Musiker zurück. Der Verein dankte Albert Ommer und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Die Verdienste von Albert Ommer sind im wahrsten Sinne „aktenkundig“, denn er führte von 1945 bis zum 28. März 1965 auch die Vereinschronik.
In der Jahreshauptversammlung 1966 wurden die ersten organisatorischen Fragen für die Feier zum 110-jährigen Bestehen des Musikvereins geklärt. Auch Ehrungen langjähriger, aktiver Musiker standen im Mittelpunkt dieser Jahreshauptversammlung. Dazu einige Bemerkungen: Bei der 110-Jahr-Feier ergab sich eine gesamte Vereinszugehörigkeit aller aktiven Mitglieder von ca. 420 Jahren. Vier Mitglieder waren seit mehr als 40 Jahren der Musik treu geblieben, sechs Mitglieder widmeten sich schon mehr als 20 Jahre der Musik, und sechs weitere Musiker waren über fünfzehn bzw. zehn Jahre aktiv der Blasmusik verschrieben, Weitere, meist jugendliche Mitglieder gehörten dem Musikverein zwischen zwei und sieben Jahren an.
Die 110-Jahr-Feier am ‚1. Mai 1966 wurde zum überragenden Dorffest. In einem vertretbaren Rahmen begann das Jubelfest mit einem Kommers, auf dem die Frielingsdorfer Vereine ihren Gemeinsinn demonstrierten und dem Musikverein gratulierten. Der zweite Teil des Kommerses wurde vom Musikverein Wipperfürth unter der Leitung von Franz Willy Neugebauer gestaltet. Der Musikverein Wipperfürth hatte mit ihm den ersten Berufsmusiker (vom Westdeutschen Rundfunk) als Dirigenten, der die Musikerziehung in der „Provinz“ bei traditionsreichen Blasorchestern übernommen hatte.
Es kann sicherlich davon ausgegangen werden, daß der damalige Vorstand des Frielingsdorfer Musikvereins die Wipperfürther mit Bedacht eingeladen hatte. Denn zu jenem Zeitpunkt war gerade der Musikverein Wipperfürth unter der Leitung von Neugebauer das leistungsstärkste Blasorchester des Bergischen Landes.
So war es dem Vorstand des Musikvereins gelungen, den Ehrgeiz der Musiker für den musikalischen „Alltag‘ wieder anzustacheln. Wegen des Jubiläums mußte auf das Wertungsspiel beim Landesmusikfest in Erkelenz am 22. Mai 1966 verzichtet werden.
Auf der Jahreshauptversammlung 1969 war man allgemein der Meinung, daß die Beteiligung an einem Wertungsspiel notwendig wäre. Die gesteigerten Aktivitäten der Nachbarvereine hatten die Frielingsdorfer Musiker mit wachem Interesse verfolgt – das musikalische Leistungsvermögen des Musikvereins Frielingsdorf sollte nun von sachverständigen Wertungsrichtern beurteilt werden. So wurde beschlossen, beim Landesmusikfest am 31. August 1969 In Burscheid am Wertungsspielen in der zweithöchsten Stufe – der Oberstufe – teilzunehmen. Der Erfolg beim Wertungsspielen war bis zu diesem Zeitpunkt für den Musikverein Frielingsdorf einmalig. Es wurde ein erster Rang mit Auszeichnung erreicht!
Um in der chronologischen Reihenfolge fortzufahren, ist es Pflicht, auch die traurigen Ereignisse zu erwähnen. Am 22. Januar 1970 verstarb unser Ehrenmitglied Albert Ommer. Es ist unbestritten, daß unser Ehrenmitglied und Chronist Albert Ommer zum Wohle des Musikvereins unschätzbare und für die Zukunft wertvolle Arbeit geleistet hat. Der Musikverein begleitete ihn mit dem Trauermarsch von Chopin zur letzten Ruhe.