Abschied vom „Weißen Jupp“

Im Laufe des Jahres 1970 musste sich der langjährige Dirigent Josef Frielingsdorf, der „Weißen Jupp“ aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Musikleben zurückziehen. Der Musikverein hatte an Josef Frielingsdorf nicht nur den tüchtigen Dirigenten, sondern auch den Motor der Jahre 1945 bis 1970. Entscheidenden Anteil beim Bau des Musikhauses, wie auch die musikalische Leistung des Musikvereins, gekrönt  mit der „Pro-Musica-Plakette“, zeigen, in welchem Maße der „Weißen Jupp“ dem Musikverein verschrieben war. Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn hier festgestellt wird: Der „Weißen Jupp“, 50 Jahre engagierter Musiker, ermöglichte ein Viertel-Jahrhundert lang die musikalischen Leistungen des Musikvereins und gestaltete die Vereinsgeschichte entscheidend. Mit viel Glück konnte das Dirigentenpult schon nach kurzer Zeit wieder von einem qualifizierten Musiker besetzt werden. Der Familienabend 1970 bot die geeignete Atmosphäre, den ver-dienten Dirigenten Josef Frielingsdorf zu verabschieden. Doch die Verabschiedung als Dirigent wurde mit der Ernennung zum Ehrendirigenten für Josef Frielingsdorf erleichtert. Die Leistungen von Josef Frielingsdorf in der Volksmusik wurden im Januar 1971 mit der Verleihung der Fördermedaille für besondere Verdienste vom Deutschen Volksmusikerbund gewürdigt. Auf dem Familienabend wurde dann der zukünftige Dirigent Rudi Hommel vorgestellt. Mit Rudi Hommel hatte nun auch der Musikverein Frielingsdorf einen Berufsmusiker (WDR, Köln) fürdie musikalische Leitung gewinnen können. Am 16. Dezembcr 1970 verstarb der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende Josef Döpper. Zur letzten Ruhestätte gab ihm der Musikverein das Ehrengeleit.
Die Probenarbeit unter dem Dirigenten Rudi Hommel wurde für die Musiker schon aus dem Grunde reizvoll weil der nächste Auftritt für Verein und Dirigent als Leistungsnachweis gelten mußte. Zum Stiftungsfest am 8. Mai 1971 wurde ein Gemeinschaftskonzert gegeben. Das Blasorchester Dürscheid war der Gastverein. Man konnte feststellen, daß dieses Konzert in der gewohnten musikalischen Art, die dem Musikverein eigen ist, ablief. Ganz erstaunt war der Musikverein über die Kommentierung in der Presse, die einige Tage später veröffentlicht wurde. Dort schrieb man: „Das Blasorchester alten Stils ist tot. Diesen Eindruck gewannen die Besucher des Konzerts“. Der Berichterstatter war zwar begeistert vom gelungenen „ersten Auftritt“ mit „neuem Dirigenten“, doch er wollte festgestellt haben, daß um-gestellt worden war, und zwar nicht nur sichtbar, sondern auch in der Klangfarbe. Es sollte hier einmal bemerkt werden, daß der Musikverein unter seinem Dirigenten Hommel niemals das Blasorchester alten Stils, was immer das auch sein mag, „überwinden“ wollte. Auch unter Josef Frielingsdorf wurde moderne Blasmusik gespielt! Was der Kommentator bemerkt haben wollte, konnten die Musiker, einschließlich Dirigent, nicht bestätigen. Denn es war niemals die Absicht, das Orchester grundlegend „umzustellen“, auch nicht in der Klangfarbe.
Die nächsten Jahre waren geprägt von dem Bemühen, dem Musikverein die Zukunft durch lernwilligen Nachwuchs zu sichern. 1973 wurden von qualifizierten Musiklehrern 39 Musikschüler betreut.
1974 nahm der Musikverein beim Bundesmusikfest in Ebingen, Tailfingen und Ostmettingen (Baden-Württemberg) auch an einem Wertungsspiel teil, das zum größten Erfolg des Musikverein Frielingsdorf in seiner langjährigen Geschichte werden sollte. Mit 118 von 120 erreichbaren Punkten erreichte man in der Oberstufe einen ersten Rang mit Auszeichnung.
Dieser Erfolg ließ sieh durch den ebenfalls 1974 erzielten ersten Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe beim Landesmusikfest in Hilden, auch bei gleicher Punktzahl, nicht übertreffen. Dieses Wertungsspielen in Hilden hatte nur statistischen Wert. Beim Landesmusikfest in Hilden wurde dem Musikverein auch die Gelegenheit geboten, eine Rundfunkaufnahme für eine Sendereihe im Westdeutschen Rundfunk auf Band zu spielen. Am 12. Januar 1975 war dann die Bandaufnahme im 2. Programm des Westdeutschen Rundfunks zu hören.
In dieser Berichterstattung dürfen die Herbstkonzerte, die seit 1973 in Lindlar vom Musikverein Frielingsdorf veranstaltet werden, nicht unerwähnt bleiben. Auf der Suche nach einer geeigneten Konzerthalle erinnerten sich die Frielingsdorfer Musiker an die Eröffnungsfeier des neuen Lindlarer Sportzentrums im Jahre 1973, bei der man mitgewirkt hatte. Es wurde beschlossen, den Versuch zu wagen, größere Konzertveranstaltungen in Lindlar durchzuführen. Die Zusage der Gemeindeverwaltung, die Turnhalle zur Verfügung zu stellen, ermöglichte die Durchführung der Konzerte. Seit 1977 werden diese Herbstkonzerte im Schulzentrum der Gemeinde Lindlar veranstaltet. Die Aula des Schulzentums ist sicherlich ein Konzertsaal, in dem das Musizieren und das Zuhören Freude bereiten. Als eine Dokumentation des musikalischen Vortrags, wie ihn der Musikverein pflegt, ist die 1977 aufgenommene Langspielplatte mit dem Titel  „Blasmusik – präsentiert vom Musikverein Frielingsdorf “ anzusehen.