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Wenn ein Verein schon über 150 Jahre alt ist, gibt es naturgemäß eine ganze Menge über vergangene Tage zu berichten. Nachfolgend ist im Prinzip eine Abschrift der Festschrift anläßlich des 125jährigen Jubiläums im Jahr 1981 abgebildet. Jedoch gab es auch 1956 eine Festschrift aus Anlaß des 100 Geburtstagsfestes unseres Vereins. Damals wurde Anfang Mai ein großes Musikfest in Frielingsdorf unter dem Motto Die Musik ist unser allerbester Freund gefeiert. Aus der Festschrift von 1956 stammt der Artikel Vereinsgeschichte - Am Rande vermerkt! - und höchst privat!. Diesen Bericht über ganz besondere Ereignisse aus längst vergangenen Tagen sollte sich keiner entgehen lassen.

Die Gründung
Von der Jahrhundertwende bis zum 2. Weltkrieg
Die Neugründung nach dem Krieg
Der Bau des Vereinshauses

Die 60er Jahre
Die Pro-Musica-Plakette
Abschied vom Weißen Jupp
125 Jahre MVF
Walter Spicher wird Dirigent
Musikverein 2000

Ganz nüchtern betrachtet ist ein Verein eine vom Mitgliederwechsel unabhängige, dauernde Verbindung von Personen, die sich einer gemeinsamen Aufgabe zugewandt haben.

Wie sich eine solche formelhafte Umschreibung in der Wirklichkeit mit Leben füllt, mit ehrgeizigem Einsatz und Arbeit, mit Erfolgen und Enttäuschungen, mit freudigen und auch trau-rigen Erlebnissen, das zeigt sich deutlich in unserem Musikverein Frielingsdorf, der nunmehr fast 150 Jahre auf ein lebendiges und schöpferisches Vereinsleben zurückblicken kann.

Der Musikverein FrieIingsdorf hat sich seit 1856 der Aufgabe verschrieben, die Musik zu pflegen; eine fast 150 jährige Vereinsgeschichte ist daher verpflichtend für die Zukunft. Die ereignisreiche Zeit von der Gründung des Musikvereins im Jahre 1856 bis zum heutigen Tag ist sicherlich nicht nur durch die bloße Angabe der Jahre zu verdeutlichen.

Auch wenn wir uns derzeit nun fast am Ende des Jahrtausends befinden, bittet der Autor an dieser Stelle um Nachsicht, wenn diese Chronik „nur“ die Jahre seit der Gründung bis zu seinem 125jährigen Jubiläum im Jahre 1981 ausführlich berücksichtigt. Eine ausführliche Ergänzung wird spätestens zum tatsächlichen 150. Geburtstag erfolgen.

Die Bedeutung der knapp 150 Jahre kann man sich durch einen Blick in die damaligen Verhältnisse besser vor Augen führen. Wie sah es 1856 bei uns aus?

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Die Gründung

Das Bergische Land gehörte zur Rheinprovinz im Königreich Preußen. In Lindlar begann 1856 die dritte Legislaturperiode des Gcmeinderates unter dem Bürgermeister Wilhelm Hofstadt. Frielingsdorf, schon im 15. Jahrhundert als „Dorf“ bezeichnet, war auch 1856 neben Lindlar als zentraler Ort anzusehen. Seit 44 Jahren hatte es nun schon eine selbständige katholische Pfarrei. Die seit sechs Jahren bestehende zweizügige Schule wurde von Lehrer Mundt betreut.

Es war der unter dem Pastor Matthias Schmitz als Küster und Organist tätige Friedrich Sauermann (geb. 1830), der ganz entscheidend zur Entwicklung des Frielingsdorfer Musiklebens beitrug. Friedrich Sauermann rief mit weiteren vier Mitgliedern, die Namen sind leider nicht mehr feststellbar, 1854 eine Musikgemeinschaft ins Leben, aus der im Jahre 1856 der Musikverein Frielingsdorf entstand.

Als bekannter Mitgründer des Musikvereins Frielingsdorf wird in den Vereinsbüchern der „Dicke Grades“ genannt, der Urgroßvater der ehemaligen Inhaber der Schank- und Büffetbau-Firma Müller in Habbach.Wie den Vereinsbüchern weiter zu entnehmen ist, führte Friedrich Sauermann 30 Jahre den Musikverein Frielingsdorf. Seinen Sohn Johann Albert Sauermann ließ Vater Friedrich den Beruf des Orgelbauers erlernen, sicherlich nicht ohne Hintersinn.

Im Jahre 1886 übergab Friedrich Sauermann die musikalische Führung an seinen Sohn Johann Albert. Da Johann Albert Sauermann seit 1886 als Organist der Kath. Pfarrkirche wirkte, war er für die Musikerziehung in Frielingsdorf die geeignete Person. In diesem Zusammenhang sollte auch erwähnt werden, daß J. A. Sauermann die Kirchenorgel baute. Gleichzeitig war er Dirigent des Kirchenchores und erweiterte den anfangs bestehenden Männerchor zu einem gemischten Chor.

Warum Friedrich Sauermann seinem Sohn im Alter von erst 56 Jahren die Leitung des Musikvereins übergab, ist nur zu mutmaßen - Senior Sauermann war unter dem Junior bis kurz vor seinem Tode im Jahre 1912 als aktiver Musiker tätig.

Die bekannten aktiven Musiker der ersten Jahre unter J. A.Sauermann waren Johann Buchholz (Es-Tuba), Jakob Wurth (Trompete), Karl Klein, Zäunchen, und Julius Voss, Roderwiese (Posaune).

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Die Jahrhundertwende

Um die Jahrhundertwende waren außerdem Ernst Stein, Johann Ufer, genannt „Euren Johann“, Julius Fischer, Johann Albert Ufer, Julius Uberberg, Johann Fischer, die Brüder Wilhelm und Josef Selbach sowie August Steinbach Mitglieder des Vereins. Wilhelm Lucas, auch ein Aktiver aus dieser Zeit, nutzte seinen Hang zur Musik, indem er in einer Militärkapelle seinen Soldatendienst leistete.

Zur Verdeutlichung dieser Zeit sei hier angemerkt: 1896 erhielt Frielingsdorf seine Wasserleitung. Die Anlässe, zu denen der Musikverein auftrat, waren in jener Zeit neben den kirchlichen Verpflichtungen (Prozessionen), Schützen- und Waldfeste in der näheren Umgebung. Diese musikalischen Aktivitäten liefen in der gewohnten Vereinsroutine ab, bis der 1. Weltkrieg 1914-1918 das Musikleben in Frielingsdorf fast zum Erliegen brachte,

Dem Krieg haben die Mitglieder des Musikvereins ihren Tribut gezollt, einige verließen den Verein für immer. Bei der Todesnachricht von August Steinbach hatte der Dirigent Sauermann neben seinem Freund auch seinen besten Trompeter zu beklagen. Dem musikalischen Streben von Johann Albert Sauermann ist es zu danken, daß kurz nach dem Krieg der Musikverein wieder aktiv wurde. Wie es so ist in der Geschichte, so ist das „Ereignis Krieg nicht mit dem Datum zu Ende, sondern wirkt gleichfalls auch auf den Gemeinschaftsgeist, und das unter manchen Gesichtspunkten.

Es sei hier auch erwähnt, daß 1921 Frielingsdorf dem Elektrizitätsnetz angeschlossen wurde. Es ist heute nicht mehr feststellbar, ob nun die „wilden zwanziger Jahre“ oder der technische Fortschritt „Elektrizitätsversorgung“ die Auslösung für gewisse Reaktionen auf Kosten des Gemeinschaftsgeistes verursachten; fest steht: Am 10. Juni 1925 wurde zum Leidwesen des Musikvereins Frielingsdorf die „Oberbergische Feuerwehrkapelle Scheel“ gegründet. Das Mitglied des Musikvereins Frielingsdorf, Wilhelm Lucas, wird Dirigent dieser Feuerwehrkapelle.

Das vorliegende Protokollbuch der Feuerwehrkapelle zeigt die Abgrenzung:

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II. Mitgliedschaft:

„In den genannten Verein können nur Mitglieder aus der Ortschaft Scheel aufgenommen werden“.
Eine Anmerkung zur Führung des Protokollbuches der Feuerwehrkapelle: eine exakte Chronik, nüchtern dokumentiert. Der Sorgfalt des Schriftführers Josef Müller, genannt „Christ-Müllersch-Jüppchen“, ist es zu danken, daß der genaue Anfang der aktiven Musikertätigkeit unseres Ehrenvorsitzenden Otto Rausch bekannt ist: Am 18. April 1926 begann er in der Feuerwehrkapelle. Otto Rausch und Josef Müller waren nach 1945 Vorsitzende des Musikvereins Frielingsdorf.
Aus welchem Grund auch immer Wilhelm Lucas das Dirigentenamt in Scheel übernommen hat, er wußte, welche Arbeit ihn erwartete. Alle Gründungsmitglieder dieser Kapelle begannen am 10. Juni 1925 ohne Musikkenntnisse, wie das Gründungsmitglied Josef Blumberg (Landwehr), versicherte. In wieweit den Frielingsdorfern, oder auch den Mitgliedern des Männergesangvereins „Liederkranz“ der 7. Juni 1926 als Erfolgstag in Erinnerung ist, bleibt ungeachtet; beim Sängerwettstreit in Hunstig hatte der „Liederkranz“ einen beachtlichen Erfolg. In Anerkennung dieses Erfolges empfing der Musikverein den Gesangverein auf der „Ente“ und gratulierte mit einem Ständchen.
Anhand der Chronik ist das Honorar der Schützenfeste bekannt, das der Musikverein in den zwanziger Jahren bekam. Um 1925 kostete Konzert- und Marschmusik für ein zweitägiges Schützenfest zwischen 200 und 250 Mark, Tanzmusik wurde getrennt berechnet. Das Probenlokal des Musikvereins war das Gasthaus „Zur alten Linde“, Wilhelm Ommer. Die Musiker aus dieser Zeit wissen zu berichten, daß Rosalia Ommer ("Ommersch Salchen"), im Winter die Küche für die wochentags stattfindenden Proben zur Verfügung stellte, weil es im Saal zu kalt war.
Die aktiven Musiker dieser Zeit waren verpflichtet, beim Dirigenten Sauermann Einzelunterricht zu nehmen, um den musikalischen Anforderungen gerecht zu werden. Willy Römer, ein Aktiver dieser Zeit, weiß davon zu berichten, daß zwischen Dirigent Sauermann und Josef Frielingsdorf (Weißen Jupp) fachliche Auseinandersetzungen aufkamen. Der Weiße hatte nach Meinung des Dirigenten eine unzweckmäßige Trompetenhaltung, was nach Auffassung von Sauermann eben „schiefen Ansatz“ zur Folge hatte. War vielleicht diese Auseinandersetzung der Grund für Josef Frielingsdorf, am 6. Juni 1928 in die Feuerwehrkapelle Scheel zu wechseln?
Ein Ereignis darf in dieser Kurzfassung der Chronik des Musikvereins Frielingsdorf nicht unerwähnt bleiben: Im Oktober 1926 feierte Johann Albert Sauermann das 40 jährige Dirigenten-Jubiläum. In den 30er Jahren war auch in Frielingsdorf die Arbeitslosigkeit zu spüren, und viele Frielingsdorfer gingen in dieser Zeit auf die „Walz“; man versuchte sich auf jede mögliche Art und Weise durchzuschlagen.
Unter diesen Umständen gingen die aktiven Mitglieder Josef Frielingsdorf und Willi Steinbach als Musiker zur Schutzpolizei später waren beide Musiker in einem Infanterie-Musikzug. Zum Gedenken an Willi Steinbach sei hier darauf hingewiesen, daß er nach 1945 den Musikverein Wipperfürth über lange Jahre geleitet hat.
Der Musikverein Frielingsdorf hat auf die Musiker der Nachbarkapellen immer eine gewisse Anziehung ausgeübt. Wahrscheinlich war die Voraussetzung zum Musizieren und der Vereinsgeist hierfür ausschlaggebend. So sind immer auswärtige Musiker nach Frielingsdorf zum Musizieren gekommen. Paul Kremer aus Linde ist bei ehemaligen Musikern noch als guter Trompeter bekannt. Weiterhin erinnert man sich an zwei Musiker, die aus Thier zum Musizieren nach Frielingsdorf kamen.
Im Jahre 1933 feierte der Schützenverein Frielingsdorf sein 50-jähriges Bestehen. Das Fest fand in einem feierlichen Rahmen statt. Alle Ortsvereine beteiligten sich bei den Feierlichkeiten.
Ab dem Jahre 1933 waren die freien Entscheidungen, in Bezug auf die musikalischen Tätigkeiten, eingeschränkt.
Am 11. Dezember 1935 stirbt Johann Albert Sauermann. Fast bis zu seinem Tode, 49 Jahre, war er der Dirigent des Musikvereins. Sein Musikverein Frielingsdorf begleitete ihn zu seiner letzten Ruhestätte.
Die musikalische Leitung des Musikvereins ab 1935 übernahm der Tubist Johann Albert Ufer ("Lemms Dicke"). Die Musik dieser Jahre war mehr der eigenen Unterhaltung gewidmet; die nötige Zielstrebigkeit in der Probenarbeit fehlte. So wissen die Musiker dieser Jahre zu berichten, daß nach einer gewissen Probenpflicht das Mundstück mit dem Schnapsglas getauscht wurde.
Die musikalischen Verpflichtungen in der näheren Umgebung wurden wahrgenommen; neben dem gewohnten Jahresprogramm sind keine bemerkenswerten Ereignisse in den Vereinsbüchern vermerkt. Als letzte Eintragung im Protokollbuch ist am 4. September 1938 das Sommerfest in Berghausen aufgeführt. Man kann davon ausgehen, daß die musikalische Arbeit des Musikvereins Frielingsdorf ab 1939 auf das Minimum herabgesetzt und bis 1945 kein Vereinsleben möglich war.

 

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Die Neugründung nach dem 2. Weltkrieg

Die Chronik des nach dem 2. Weltkrieg wiedergegründeten Musikvereins Frielingsdorf beginnt mit dem Satz: „Es war im September 1945, als Josef Frielingsdorf, nachdem er im Juni aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, eine Schar junger Burschen um sich sammelte, um dieselben in der Musik auszubilden.“
Josef Frielingsdorf hatte seinen Militärdienst in einer Infanterie-Kapelle absolviert und war dort zum Korpsführer aufgestiegen. Die fachlichen Kenntnisse, die er dort gewann, waren in musikalischer Hinsicht für den Musikverein Frielingsdorf von grundlegender Bedeutung, wie sich in den folgenden 25 Jahren herausstellen sollte.
Als Kenner der Frielingsdorfer „Dorfszene“ ging Josef Frielingsdorf bei seinem Plan, den Musikverein wieder ins Leben zu rufen, geschickt vor. Er begeisterte einige Jugendliche, die den Gedanken im gesamten Kirchspiel Frielingsdorf verbreiteten, um so alle Interessierten der „Dörfer“ von Frielingsdorf zur Interessengemeinschaft der Musik zusammenzufassen. Mit der Probenarbeit wurde im September 1945 begonnen. In der Christnacht 1945 stellten sich die Jungmusiker mit Weihnachtsliedern der Öffentlichkeit vor.
Das Bestreben von Josef Frielingsdorf, den wieder als angestammten und der Tradition verpflichteten Musikverein Frielingsdorf ins Leben zu setzen, konnte nicht ohne die vor dem Weltkrieg aktiv gewesenen Musiker geschehen. Der Zusammenschluß mit den älteren, aktiven Musikern gelang nicht auf Anhieb. Erst nach Vermittlung des damaligen Pastors Martin kam der Zusammenschluß zustande. Nunmehr hatte der Verein 32 aktive Mitglieder; im November 1946 erfolgte die offizielle Neugründung des Musikvereins Frielingsdorf.
Die Jahre 1946 und 1947 wurden genutzt, um den Musikverein Frielingsdorf in der Gemeinde Lindlar vorzustellen. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang die Anlässe für das musikalische Auftreten des Vereins: Am Montag, dem 30. September 1946, fuhr zum erstenmal nach dem Krieg die Eisenbahn von Köln nach Lindlar. Der Verein empfing den Zug mit Musik. Danach gaben die Frielingsdorfer ein Platzkonzert in Lindlar, und am Krankenhaus wurde den Patienten ein Ständchen gebracht.
Ein weiteres Ereignis, bezeichnend für diese Zeit, war an 17. September 1947 die Einweihung der „Jammertal-Briicke“ (Brücke in Ober-Habbach), die den Verkehr zwischen Frielingsdorf und Wipperfürth wieder ermöglichte. Der Musikverein holte die Busse der Wupper-Sieg an der Brücke ab und begleitete sie mit Musik bis nach Frielingsdorf.
Die Rückschau auf das Jahr 1947 ist in der Chronik so beschrieben: „Das Jahr, von dem wir uns etwas mehr versprochen hatten als von den vorangegangenen, haben wir schwer hinter uns gebracht“. Es folgt eine Aufzählung von Lebensmittelpreisen. So kostete z. B. ein Zentner Kartoffeln 400 bis 500 Reichsmark. Für zwei B-Tuben (Bässe), die der Verein 1948 kaufte, mußten 1000 RM und 30 Glühlampen gezahlt werden.
Am 10. und 11. April 1948 veranstaltete der Musikverein Frielingsdorf unter Mitwirkung des Männergesangvereins „Liederkranz“ und des Kirchenchores „Cäcilia“ das erste Stiftungsfest nach dem Kriege. Der Saal war an beiden Tagen ausverkauft. Ausführlich wird in der Chronik die Währungsreform vom 20. Juni 1948 beschrieben. Als erste Einnahme wurden 36,13 DM aus Gimborn verbucht.
In Frielingsdorf durfte beim Schützenfest vom 25. bis 27. Juli 1948 erstmalig nach dem Krieg wieder der Schützenvogel geschossen werden, und zwar mit einer Armbrust. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Musikverein.
Das Jahr 1949 brachte neben den schon zur Routine gewordenen musikalischen Verpflichtungen ein auswärtiges Mammutschützenfest von sechs Tagen. Vom 6. bis zum 11. Juni spielte der Musikverein in Linnich. Für alle Teilnehmer blieb dieses Schützenfest unvergessen.
Im Mai 1951 beteiligte sich der Musikverein an einem Wettstreit (in Thier, Oberbergischer Kreis) und errang einen beachtlichen Erfolg. Liest man in den Aufzeichnungen der Chronik nach, so wird deutlich, daß sich der Musikverein Frielingsdorf im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Familie versteht. Da heiratet ein Mitglied, die älteren Mitglieder haben Silberne Hochzeit, da wird Namenstag gefeiert, und auch die Geburtstage der Dorfvereine (z.B. 1951 das60-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Scheel) werden gebührend berücksichtigt.
In diesem Vereinsgeschehen gelten die Pflichten, denen man verdienten aktiven Musikern gegenüber nachkommt, als Selbstverständlichkeit und Ehre, auch bei traurigen Anlässen. So geleitet der Musikverein sein Ehrenmitglied Wilhelm Lucas am 20. Februar 1951 mit dem Trauermarsch von Chopin zur letzten Ruhe. Der Musikverein Frielingsdorf hat, und das können sicherlich viele Frielingsdorfer bestätigen, stets das Bestreben gezeigt in musikalischer Hinsicht etwas zu leisten. In diesem Zusammenhang ist dann die Gründung des Tambourkorps zu erwähnen. Beim Schützenfest 1951 in Frielingsdorf stellte sich der Musikverein mit dem neugegründeten Spielmannszug der Öffentlich-keit vor.
Wurden die Jahre von 1945 bis 1951 in der Chronik detaillierter festgehalten, dann wohl deshalb, weil man in dieser Zeit richtungsweisend die Zukunft ins Auge faßte. Zum anderen zeigen gerade diese Jahre den Willen des Musikvereins zu Neuem und gleichzeitig sein Traditionsbewußtsein. In diesem Zusammenhang sollte festgehalten werden, daß besonders diese Jahre geprägt sind von der engen Zusammenarbeit der Frielingsdorfer Vereine. Der Wunsch bleibt bestehen, daß die Zusammenarbeit aller Dorfvereine auch in Zukunft bestimmend sein möge.
Die allgemeine Vereinsführung liegt in bewährter Art in den Händen des damals jährlich gewählten Vorstandes. So ist der Musikverein immer von aktiven Vorstandsmitgliedern geführt bzw. beraten worden. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde manche Idee verwirklicht, die immer das Wohl des Vereins zum Ziele hatte.
So experimentierte man Anfang der 50er Jahre, um das musikalische Spektrum auf unterhaltendem Gebiet zu erweitern. Hierzu gehörte die Anschaffung von Mundharmonikas. Vereinsmitglieder bildeten ein Mundharmonika-Quartett, das vom Orchester begleitet wurde. Außerdem stellte man ein Salon-Orchester (große Tanzkapelle mit Streichern) zusammen. Solche Aktivitäten dienten in den 50er Jahren dazu, den Verein weit über die Gemeinde- und Kreisgrenze hinaus bekanntzumachen. Weiterhin wurde durch diese Aktivitäten die Bereitschaft demonstriert, Leistungen zu erbringen.

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Der Bau des Vereinshauses

Die Bereitschaft zur Leistung sollte durch die seit 1954 verfolgte Idee, ein Vereinshaus zu bauen, unterstrichen werden. Die Jahre 1954, 1955 und 1956 wurden durch eifrige Öffentlichkeitsarbeit bestimmt, galt es doch, die Idee des Vereinshauses in die Tat umzusetzen. Alle Einnahmen aus den musikalischen Veranstaltungen (Schützenfeste, Konzerte und Marschmusik) dieser Jahre wurden an die Vereinskasse abgeführt.Neben der Verwirklichung des Bauvorhabens war vor allem ein historisches Ereignis von Bedeutung für den Musikverein. Am 5. und 6. Mai 1956 konnte der Musikverein Frielingsdorf auf sein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Das Jubiläum wurde in gebührendem Rahmen gefeiert und war für Frielingsdorf ein großes Ereignis.
Von den alten aktiven Musikern, den "Veteranen", nahmen die Herren Josef Müller, Josef Selbach, Ernst Stein und Julius Voss an den Feierlichkeiten teil. Ehrengäste des Jubelfestes waren selbstverständlich auch die Familienangehörigen des langjährigen Dirigenten Johann Albert Sauermann (Otto und Martha Sauermann sowie Paula Stein). Die Feierlichkeiten anläßlich des hundertjährigen Bestehens konnten mit großer Zufriedenheit beendet werden, wurden doch auch zahlreiche „Bausteine“ zum Bau des Vereinshauses gestiftet. Inzwischen war mit dem Bau des Vereinshauses bereits begonnen worden, während der Jubiläumsfeier ruhte die Bautätigkeit.
Doch zurück zu den Anfängen des Bauvorhabens „Vereinshaus“. Die wichtigste Voraussetzung zum Bau eines Hauses ist, neben der Bereitschaft zur Arbeit, der Bauplatz. Diese Voraussetzung konnte jedoch nur unter größten Schwierigkeiten geschaffen werden. Nachdem für fast alle wünschenswerten Standorte kein Verkaufswilliger zu finden war, kam die Bereitschaft des Ehren-vorsitzenden Johann Albert Ufer, den dringend benötigten Bauplatz in Frielingsdorf dem Verein zu verkaufen, als Rettung.
Während Architekt Bruno Schäfer die Planung übernahm, zog der Musikverein über die „Dörfer“ und sammelte Holz - die Waldbesitzer wurden gebeten, Bauholz für das Vereinshaus zu stiften.
Ab Februar 1956 wurde das gestiftete Holz von Vereinsrnitgliedern geschlagen, d. h. aus dem gesamten Kirchspiel Frielingsdorf wurden etwa 40 Kubikmeter Bauholz zusammengetragen und zur Bearbeitung zum Sägewerk Karl Frielingsdorf (Karls Weiße) transportiert. Die Bearbeitung des Holzes erfolgte zum Vorzugspreis.
Das Richtfest des Vereinshauses konnte am 7. September 1956 gefeiert werden, und am 25. November 1956 zogen die Musiker in das neue Gebäude ein. Natürlich waren zu diesem Zeitpunkt die Bauarbeiten noch nicht beendet, aber die wöchentlichen Proben ließen sich in den Räumlichkeiten abhalten.
In der jährlichen Generalversammlung mußten die fleißigen Musiker jedoch hören, daß die Kasse des Vereins leer war. Ohne finanzielle Mittel läßt sich, allerdings auch ein Vereinshaus nicht fertigstellen. So beschlossen die Vereinsmitglieder, durch eine Gemeindesammlung Geldmittel zu besorgen. Die Gemeindesammlung wurde in Form von Musikdarbietungen in einzelnen Dörfern und Dorfteilen durchgeführt. Die hierbei erzielten Mittel reichten für den nötigen Außenputz, mit dem im April 1957 begonnen wurde. Nach etwa 6000 Stunden Eigenleistung konnte am 2. Juni 1957 die Einweihung des Vereinshauses, genannt „Musikhaus“, gefeiert werden.
Mit der Fertigstellung des Musikhauses war der Wunsch des Vereins nach einem eigenen Vereinsleben erfüllt, und man konnte sich weiteren musikalischen Arbeiten zuwenden. Am 5. Januar 1957 verstarb das Ehrenmitglied des Musikvereins Wilhelm Blumberg. Der Musikverein begleitete Wilhelm Blumberg mit dem Trauermarsch von Chopin zur letzten Ruhe.
Etwas ganz Neues für Frielingsdorf war 1959 der Auftritt eines Akkordeonorchesters anläßlich des 103. Stiftungsfestes. Das Akkordeonorchester wurde aus aktiven Musikern gebildet, die neben einem Blasinstrument auch das Akkordeon spielten. Weitere Verstärkung holten sich die Akkordeonspieler aus dem Stamm der „passiven“ Mitglieder.

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Die 60er Jahre

In diesen Jahren war man im musikalischen Bergischen Land bemüht, im Interesse der Volks- und Blasmusik einen engeren Zusammenschluß der vielen Bergischen Blasorchester und Tambourkorps anzustreben. So fand am 8. Mai 1960 das erste Kreis-Musikfest in Bergisch-Gladbach statt. Gleichzeitig wurde die „Kreisförderungsgemeinschaft zur Pflege der volkstümlichen Musik“ proklamiert. Der Musikverein Frielingsdorf war selbstverständlich Mitgründer dieser Fördergemeinschaft.
Diese Fördergemeinschaft galt im Bergischen als Wegbereiter für den in Süddeutschland schon lange existierenden Volksmusikerbund. Für die folgenden Jahre waren es gerade die Fördergemeinschaft und ab 1962 der Volksmusikerbund, die eine musi-kalische Leistungssteigerung im Bergischen Land ermöglichten.
In der Chronik ist übrigens ein (vielleicht beabsichtigtes) Kuriosum zu finden: Seit 1946 wurden heiratende, aktive Musiker mit einer Schrankstanduhr beschenkt. In den 60er Jahren waren es Kordeluhren, bis dann Mitte der 60er Jahre das Geschenk „Uhr“ nicht mehr aktuell war. Sollte damit etwa die „Erziehung“ der Musiker zur Pünktlichkeit erfolgreich abgeschlossen sein?
Weitere Ereignisse im Frielingsdorfer Vereinsleben waren die 40-Jahr-Feier des Männergesangvereins „Liederkranz“ am 18. und 19. Juni 1960 Sowie die 100-Jahr-Feier des Kirchenchores „Cäcilia“ am 4. und 5. Mai 1963.
Diese kulturtragenden Vereine und der Musikverein zeigen die lebendige musikalische Tradition von Frielingsdorf. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, daß gerade die Tradition von Musikverein und Kirchenchor in den musikalischen Leistungen der Herren Friedrich und Johann Albert Sauermann begründet ist.
Bisher ist in dieser Kurzfassung der Vereinsgeschichte von der Tradition des Musikvereins berichtet worden. Aber was wäre der Verein mit seiner Tradition ohne seine verdienten Mitglieder! Der Begründer Friedrich Sauermann und sein Sohn Johann Albert Sauermann sowie der Musiker und Dirigent Wilhem Lu-cas sind nach wie vor Symbole der Vereinstradition.
1962 wurden auf dem 106. Stiftungsfest weitere verdiente, aktive Musiker mit Ehrenzeichen des Volksmusikerbundes ausgezeichnet. Heinz Krause, Hans Marienfeld sen., Otto Rausch und Josef Frielingsdorf wurde die Ehrung zuteil. Josef Frielingsdorf erhielt zudem das silberne Dirigenten-Bundesehrenzeichen für seine besonderen Verdienste um die Pflege der Deutschen Volksmusik.
Der Musikverein hatte mittlerweile einen guten Ruf gewonnen, was ihn ermunterte, so manches interessante Konzert auszuführen. Ein Leistungsvergleich mit anderen Blasorchestern wurde auf freundschaftliche Weise in Gemeinschaftskonzerten angestrebt. Aber ein wahrer Stand des musikalischen Vermögens kann nur durch die Teilnahme an überregionalen Wertungsspielen ermittelt werden. So wurde in der Jahreshauptversarnmlung 1963 der Entschluß gefaßt, am Landesmusikerfest vom 25. bis 27. Mai 1963 in Wipperfürth teilzunehmen und sich den Wertungsrichtern zu stellen. Mit einer ehrenvollen Auszeich-nung an drei Bergische Musikvereine begann das Landesmusikfest in Wipperfürth. Die Musikvereine Kürten, Wipperfürth und Frielingsdorf, jeder über hundert Jahre alt, wurden mit der Bundesehrenmedaille am Bande ausgezeichnet.
Das Wertungsspiel in der Mittelstufe erbrachte einen ersten Rang mit 116 von 120 möglichen Punkten. Mit diesem Erfolg war der Musikverein Frielingsdorf als leistungsstarkes Orchester herausgestellt.
Als ein weiteres Dorfereignis sei hier die 100-Jahr-Feier der Kolpingfamilie Frielingsdorf am 5. Oktober 1963 erwähnt. Der Kommersabend wurde umrahmt von den musikalischen Vorträgen der drei kulturtragenden Vereinen (Liederkranz, Kirchenchor, Musikverein).
Am 26. April 1964 nahm der Musikverein wiederum an dem in Köln-Kalk stattfindenden Bezirksmusikfest des Deutschen Volksmusikerbundes teil, das auch mit einem Wertungsspiel verbunden war. Einen 1. Rang hatte man erwartet, die erreichten 113 von 120 möglichen Punkten zeigten aber einen „Leistungsschwund“ gegenüber dem Erreichten des Vorjahres - der Musikverein war nicht recht zufrieden mit seiner Leistung. Ohne selbstzerstörerische Diskussionen wurde die Enttäuschung in ehrgeiziger Probenarbeit erstickt.
Ein vereinsinternes Ereignis darf in dieser Berichterstattung nicht fehlen: Auf dem Familienahend im November 1964 trat der langjährige Protokollführer und Schlagzeuger Albert Ommer als aktiver Musiker zurück. Der Verein dankte Albert Ommer und ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Die Verdienste von Albert Ommer sind im wahrsten Sinne „aktenkundig“, denn er führte von 1945 bis zum 28. März 1965 auch die Vereinschronik.
In der Jahreshauptversammlung 1966 wurden die ersten organisatorischen Fragen für die Feier zum 110-jährigen Bestehen des Musikvereins geklärt. Auch Ehrungen langjähriger, aktiver Musiker standen im Mittelpunkt dieser Jahreshauptversammlung. Dazu einige Bemerkungen: Bei der 110-Jahr-Feier ergab sich eine gesamte Vereinszugehörigkeit aller aktiven Mitglieder von ca. 420 Jahren. Vier Mitglieder waren seit mehr als 40 Jahren der Musik treu geblieben, sechs Mitglieder widmeten sich schon mehr als 20 Jahre der Musik, und sechs weitere Musiker waren über fünfzehn bzw. zehn Jahre aktiv der Blasmusik verschrieben, Weitere, meist jugendliche Mitglieder gehörten dem Musikverein zwischen zwei und sieben Jahren an.
Die 110-Jahr-Feier am ‚1. Mai 1966 wurde zum überragenden Dorffest. In einem vertretbaren Rahmen begann das Jubelfest mit einem Kommers, auf dem die Frielingsdorfer Vereine ihren Gemeinsinn demonstrierten und dem Musikverein gratulierten. Der zweite Teil des Kommerses wurde vom Musikverein Wipperfürth unter der Leitung von Franz Willy Neugebauer gestaltet. Der Musikverein Wipperfürth hatte mit ihm den ersten Berufsmusiker (vom Westdeutschen Rundfunk) als Dirigenten, der die Musikerziehung in der „Provinz“ bei traditionsreichen Blasorchestern übernommen hatte.
Es kann sicherlich davon ausgegangen werden, daß der damalige Vorstand des Frielingsdorfer Musikvereins die Wipperfürther mit Bedacht eingeladen hatte. Denn zu jenem Zeitpunkt war gerade der Musikverein Wipperfürth unter der Leitung von Neugebauer das leistungsstärkste Blasorchester des Bergischen Landes.
So war es dem Vorstand des Musikvereins gelungen, den Ehrgeiz der Musiker für den musikalischen „Alltag‘ wieder anzustacheln. Wegen des Jubiläums mußte auf das Wertungsspiel beim Landesmusikfest in Erkelenz am 22. Mai 1966 verzichtet werden.
Auf der Jahreshauptversammlung 1969 war man allgemein der Meinung, daß die Beteiligung an einem Wertungsspiel notwendig wäre. Die gesteigerten Aktivitäten der Nachbarvereine hatten die Frielingsdorfer Musiker mit wachem Interesse verfolgt - das musikalische Leistungsvermögen des Musikvereins Frielingsdorf sollte nun von sachverständigen Wertungsrichtern beurteilt werden. So wurde beschlossen, beim Landesmusikfest am 31. August 1969 In Burscheid am Wertungsspielen in der zweithöchsten Stufe - der Oberstufe - teilzunehmen. Der Erfolg beim Wertungsspielen war bis zu diesem Zeitpunkt für den Musikverein Frielingsdorf einmalig. Es wurde ein erster Rang mit Auszeichnung erreicht!
Um in der chronologischen Reihenfolge fortzufahren, ist es Pflicht, auch die traurigen Ereignisse zu erwähnen. Am 22. Januar 1970 verstarb unser Ehrenmitglied Albert Ommer. Es ist unbestritten, daß unser Ehrenmitglied und Chronist Albert Ommer zum Wohle des Musikvereins unschätzbare und für die Zukunft wertvolle Arbeit geleistet hat. Der Musikverein begleitete ihn mit dem Trauermarsch von Chopin zur letzten Ruhe.

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Pro-Musica-Plakette

Die Jahreshauptversammlung 1970 wurde in der Tagespresse wie folgt kommentiert:
„Mit einer freudigen Nachricht konnte Vorsitzender Karl Blumberg die Mannen um den „Weißen Jupp“ anläßlich der Jahreshauptversammlung im Musikhaus überraschen. Der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland hat dem Musikverein Frielingsdorf in Anerkennung der Verdienste um die Pflege der Volksmusik die ‚Pro-Musica-Plakette verliehen.“
Die Freude im Verein über diese Ehrung war überaus groß, und die Bevölkerung nahm Anteil an der großen Begeisterung.
Die feierliche Überreichung dieser Auszeichnung erfolgte am 11. April 1970 durch den Kölner Regierungspräsidenten Dr. Heidecke. Entsprechend der Wertigkeit dieser Plakette - sie ist die höchste Auszeichnung für ein Laienorchester in der Bundesrepublik - war die Schar der Gratulanten.
Die Auszeichnung, die dem Musikverein zuteil wurde, erinnert ihn weiterhin an die Pflicht, seine Tradition zu pflegen und gleichfalls die Aufgaben zu erfüllen, die eine Dorfgemeinschaft von dem Verein verlangen kann.
Eine schöne Pflicht war es wiederum, beim 50-jährigen Jubiläum des Männergesangvereins „Liederkranz“ am 2. Mai 1970 teilzu-nehmen.
Am 1. November 1970 starb das Ehrenmitglied Otto Feldhoff. Aus Treue zu ihm geleitete der Musikverein den ehemaligen
Trompeter zur letzten Ruhe.

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Abschied vom "Weißen Jupp"


Im Laufe des Jahres 1970 mußte sich der langjährige Dirigent Josef Frielingsdorf, der „Weißen Jupp“ aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Musikleben zurückziehen. Der Musikverein hatte an Josef Frielingsdorf nicht nur den tüchtigen Dirigenten, sondern auch den Motor der Jahre 1945 bis 1970. Entscheidenden Anteil beim Bau des Musikhauses, wie auch die musikalische Leistung des Musikvereins, gekrönt  mit der „Pro-Musica-Plakette“, zeigen, in welchem Maße der „Weißen Jupp“ dem Musikverein verschrieben war. Es ist sicherlich nicht übertrieben, wenn hier festgestellt wird: Der „Weißen Jupp“, 50 Jahre engagierter Musiker, ermöglichte ein Viertel-Jahrhundert lang die musikalischen Leistungen des Musikvereins und gestaltete die Vereinsgeschichte entscheidend. Mit viel Glück konnte das Dirigentenpult schon nach kurzer Zeit wieder von einem qualifizierten Musiker besetzt werden. Der Familienabend 1970 bot die geeignete Atmosphäre, den ver-dienten Dirigenten Josef Frielingsdorf zu verabschieden. Doch die Verabschiedung als Dirigent wurde mit der Ernennung zum Ehrendirigenten für Josef Frielingsdorf erleichtert. Die Leistungen von Josef Frielingsdorf in der Volksmusik wurden im Januar 1971 mit der Verleihung der Fördermedaille für besondere Verdienste vom Deutschen Volksmusikerbund gewürdigt. Auf dem Familienabend wurde dann der zukünftige Dirigent Rudi Hommel vorgestellt. Mit Rudi Hommel hatte nun auch der Musikverein Frielingsdorf einen Berufsmusiker (WDR, Köln) fürdie musikalische Leitung gewinnen können. Am 16. Dezembcr 1970 verstarb der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende Josef Döpper. Zur letzten Ruhestätte gab ihm der Musikverein das Ehrengeleit.
Die Probenarbeit unter dem Dirigenten Rudi Hommel wurde für die Musiker schon aus dem Grunde reizvoll weil der nächste Auftritt für Verein und Dirigent als Leistungsnachweis gelten mußte. Zum Stiftungsfest am 8. Mai 1971 wurde ein Gemeinschaftskonzert gegeben. Das Blasorchester Dürscheid war der Gastverein. Man konnte feststellen, daß dieses Konzert in der gewohnten musikalischen Art, die dem Musikverein eigen ist, ablief. Ganz erstaunt war der Musikverein über die Kommentierung in der Presse, die einige Tage später veröffentlicht wurde. Dort schrieb man: „Das Blasorchester alten Stils ist tot. Diesen Eindruck gewannen die Besucher des Konzerts“. Der Berichterstatter war zwar begeistert vom gelungenen „ersten Auftritt“ mit „neuem Dirigenten“, doch er wollte festgestellt haben, daß um-gestellt worden war, und zwar nicht nur sichtbar, sondern auch in der Klangfarbe. Es sollte hier einmal bemerkt werden, daß der Musikverein unter seinem Dirigenten Hommel niemals das Blasorchester alten Stils, was immer das auch sein mag, „überwinden“ wollte. Auch unter Josef Frielingsdorf wurde moderne Blasmusik gespielt! Was der Kommentator bemerkt haben wollte, konnten die Musiker, einschließlich Dirigent, nicht bestätigen. Denn es war niemals die Absicht, das Orchester grundlegend „umzustellen“, auch nicht in der Klangfarbe.
Die nächsten Jahre waren geprägt von dem Bemühen, dem Musikverein die Zukunft durch lernwilligen Nachwuchs zu sichern. 1973 wurden von qualifizierten Musiklehrern 39 Musikschüler betreut.
1974 nahm der Musikverein beim Bundesmusikfest in Ebingen, Tailfingen und Ostmettingen (Baden-Württemberg) auch an einem Wertungsspiel teil, das zum größten Erfolg des Musikverein Frielingsdorf in seiner langjährigen Geschichte werden sollte. Mit 118 von 120 erreichbaren Punkten erreichte man in der Oberstufe einen ersten Rang mit Auszeichnung.
Dieser Erfolg ließ sieh durch den ebenfalls 1974 erzielten ersten Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe beim Landesmusikfest in Hilden, auch bei gleicher Punktzahl, nicht übertreffen. Dieses Wertungsspielen in Hilden hatte nur statistischen Wert. Beim Landesmusikfest in Hilden wurde dem Musikverein auch die Gelegenheit geboten, eine Rundfunkaufnahme für eine Sendereihe im Westdeutschen Rundfunk auf Band zu spielen. Am 12. Januar 1975 war dann die Bandaufnahme im 2. Programm des Westdeutschen Rundfunks zu hören.
In dieser Berichterstattung dürfen die Herbstkonzerte, die seit 1973 in Lindlar vom Musikverein Frielingsdorf veranstaltet werden, nicht unerwähnt bleiben. Auf der Suche nach einer geeigneten Konzerthalle erinnerten sich die Frielingsdorfer Musiker an die Eröffnungsfeier des neuen Lindlarer Sportzentrums im Jahre 1973, bei der man mitgewirkt hatte. Es wurde beschlossen, den Versuch zu wagen, größere Konzertveranstaltungen in Lindlar durchzuführen. Die Zusage der Gemeindeverwaltung, die Turnhalle zur Verfügung zu stellen, ermöglichte die Durchführung der Konzerte. Seit 1977 werden diese Herbstkonzerte im Schulzentrum der Gemeinde Lindlar veranstaltet. Die Aula des Schulzentums ist sicherlich ein Konzertsaal, in dem das Musizieren und das Zuhören Freude bereiten. Als eine Dokumentation des musikalischen Vortrags, wie ihn der Musikverein pflegt, ist die 1977 aufgenommene Langspielplatte mit dem Titel  „Blasmusik - präsentiert vom Musikverein Frielingsdorf “ anzusehen.

125 Jahre MVF

 

 


Anfang der 80er Jahre steht schließlich wieder ein großes Jubiläum an. Das 125-jährige Bestehen des Musikvereins Frielingsdorf soll gefeiert werden, und etwa drei Jahre lang bereitet man sich auf das große Fest vor. Vom 8.-10. Mai 1981 schließlich ist es soweit. Im Zelt neben der Kirche wird drei Tage lang das Jubiläum zelebriert - mit einem großen Festkommers am Freitag, dem Konzert der Gastorchester Dürscheid und Wipperfürth und natürlich dem abschließenden Sternmarsch am Sonntagnachmittag mit 15 Gastvereinen. Die abschließende Feier dauert bis in die Morgenstunden und weist als Höhepunkt den Auftritt des "Colonia Duetts" auf. 1982 fällt der Musikverein vor allem aufgrund seiner hervorragenden Jugendarbeit auf. 20 Jugendliche unter 18 bilden das Jugendorchester, das ebenfalls von Rudi Hommel geleitet wird. Die Jugendlichen helfen bei jeder Gelegenheit im Hauptorchester aus und senken den Altersdurchschnitt auf nur 21,5 Jahre. Ihre Betreuung obliegt Jutta Lüdtke, mit der 1982 auch im Vorstand des Musikvereins die Emanzipation Einzug hält. Sie ist das erste weibliche Mitglied und erst 21. Die Jugend bringt Schwung in den Verein und bestreitet den Familienabend in diesem Jahr fast allein. Im April des gleichen Jahres tun sich 11 der 15 „Kulturtragenden Vereine der Gemeinde Lindlar" zusammen und geben ein erstes gemeinsames Konzert im Kulturzentrum, das vom Publikum sehr gut aufgenommen wird. 1984 stirbt Ehrendirigent Josef Frielingsdorf im Alter von 73 Jahren nach langer Krankheit und wird vom Musikverein zur letzten Ruhe begleitet. Die folgenden Jahre charakterisiert wieder der ganz normale Musikvereins-Alltag. Zwischen Goldhochzeiten und Schützenfesten scheint dem Vorstand allerdings entfallen zu sein, dass Karl Blumberg 1984 sein 25. Dienstjubiläum als Vorsitzender hat. Erst im Jahr darauf bei der Generalversammlung fällt das Versäumnis auf - und man erfindet kurzerhand das Jubiläum der „25. Wiederwahl zum Vorsitzenden". An Kreativität hat es den Musikvereins-Mitgliedern nie gemangelt. 1987 legt Rudi Hommel ausgesundheitlichen Gründen den Taktstock nieder.

 

Walter Spicher wird Dirigent


Am 3. September dieses Jahres beginnt mit Walter Spicher, damals Musiklehrer am Gymnasium Overath, eine neue Ära für den Verein. Das Herbstkonzert ist das Debüt unter seiner Leitung und findet großen Anklang beim Publikum. Seine Vorliebe für Big Band-Musik macht auch den Musikern Spaß. 1989 ist die erste Renovierung des Musikhauses fällig, das inzwischen seit 32 Jahren die musikalische Heimat des Musikvereins ist. Wieder legt man an einem schönen Augustwochenende selbst Hand an, verpasst den Wänden einen neuen Anstrich und auch ein neuer Boden wird verlegt. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben von Frielingsdorf und Umgebung ist nicht nur durch Schützenfeste und Prozessionen gesichert. Ende der 80er werden die auf zahlreichen Vatertagstouren erworbenen Fußballkünste beim Juxturnier auf der Sportwoche mehr oder weniger erfolgreich getestet. Auch hier steht der Spaß an der Sache im Vordergrund. Der Musikverein wird immer mehr zur großen Familie. Der Fall der Mauer beeinflusst auch das Leben der MVF-Musiker. Das hervorragende Stadtorchester Markneukirchen/Sachsen ist 1993 zum Herbstkonzert zu Gast. Viele der Gastmusiker bauen selbst Musikinstrumente, während einige Frielingsdorfer stolze Besitzer Markneukirchener Instrumente sind. Erstmals entsteht eine engere Verbindung mit einem weiter entfernt gelegenen Gastorchester. Schon im Juni des nächsten Jahres fährt der Musikverein zum Gegenbesuch in das schöne Vogtland. Um die musikalische Arbeit vor den jährlichen Herbstkonzerten zu vertiefen, zieht man sich Ende Oktober 1997 das erste Mal für ein Probenwochenende in die Jugendherberge Eckenhagen zurück. Die Herbstkonzerte des Orchesters stehen zunehmend im Interesse der Öffentlichkeit, man möchte ungern hinter den Gästen und den Erwartungen des Publikums zurückbleiben. Es ist sicher nicht nur dieser Ehrgeiz und der Perfektionismus des Dirigenten, der das Probenwochenende ab 2000 zu einer festen Einrichtung werden lässt. Die Probenwochenenden sind eine seltene Gelegenheit, nicht abgehetzt vom Alltag zur Probe erscheinen zumüssen, um gleich schon wieder gefordert zu sein - ein Wochenende lang geht es nur um die Musik. Und sicher auch ein wenig um die gemütlichen Stunden des Beisammenseins nach getaner Probenarbeit.

Musikverein 2000

2000 ist allerdings auch ein ganz besonderes Herbstkonzert angesagt. Startrompeter Walter Scholz ist zu Besuch. „Ich habe die Kapelle ins Herz geschlossen," sagt er später und gibt damit dem gesamten Orchester einigen Auftrieb. Er weiß aber auch, wem ein Großteil dieses Erfolges zuzuschreiben ist. „Alles liegt am Dirigenten" - und er ernennt Walter Spicher gar zum „Karajan des Oberbergischen". Eines der Highlights des neuen Jahrtausends ist die Reise nach Tschechien im Frühjahr 2001. Wieder einmal ist der Musikverein Vertreter des kulturellen Lebens in Lindlar. Man begleitet das Freilichtmuseum auf seinem Besuch bei einem befreundeten Museum in der Wallachei und freut sich über die Gelegenheit, sich auch im Ausland präsentieren zu können. Noch im selben Jahr wird klar, dass Walter Spicher aufgrund gesundheitlicher Probleme für eine Weile nicht arbeiten kann und damit auch die Leitung des Musikvereins zunächst nicht fortsetzen kann. Hervorragender und dankbar angenommener Ersatz kommt aus den eigenen Reihen. Berthold Blumberg, seit mehr als 10 Jahren Vorsitzender des Vereins und inzwischen Leiter des Jugendorchesters, übernimmt seine Vertretung. Auch unter seinem Dirigat feiert der Verein große Erfolge. 2001 ist wieder das Stadtorchester Markneukirchenzu Gast und man freut sich über das Wiedersehen mit alten Bekannten. 2003 ist das Jahr der Veränderungen. Christoph Klein wird Vorsitzender, zum ersten Mal veranstaltet man ein Wunschkonzert - das Publikum darf sich auf dem Herbstkonzert einige Stücke aus einer Liste für das Frühjahr wünschen. Walter Spicher kehrt schließlich als Dirigent zurück und im Herbst wird die Jugendarbeit auf die ganz kleinen Nachwuchsmusiker ausgeweitet. Der MVF bekommt ein Miniorchester, das ebenfalls von Berthold Blumberg geleitet wird und im Frühjahr 2004 zum ersten Mal auftritt. Im Sommer 2004 können sich die Vereinsmitglieder eine Sommerpause ohne die Mitmusiker nicht mehr vorstellen. Man führt einen Stammtisch ein, der jeden Donnerstag zur Probenzeit im Bistro stattfindet, um den „Entzug" vom Vereinsleben ein wenig leichter zu machen. Im Spätsommer 2004 stellt das Blasorchester „Biranj" aus Lindlars Partnerstadt Kastela in Kroatien das Musikerleben der Frielingsdorfer für einige Tage auf den Kopf. Durch Konzerte, gemeinsame Feiern und wenig Schüchternheit auf beiden Seiten entsteht eine neue Freundschaft. Schon 2005 soll der Gegenbesuch stattfinden. Zum Herbstkonzert 2004 hat der Musikverein „The Voices" eingeladen, den renommierten Chor aus Bergneustadt. Die Zusammenarbeit mit einer Vokalgruppe bringt völlig neue Herausforderungen mit sich. Im Jahr 2005 schließlich herrscht wieder Aufbruchstimmung. Es gilt, das große Jubiläum zu planen. Harald Ammermann wird neuer Vorsitzender und der Vorstand insgesamt verjüngt sich erheblich. Damit spiegelt er das immer noch erstaunlich niedrige Durchschnittsalter des Orchesters wider. Im Juni steht endlich der Gegenbesuch in Kastela an - leider konnten sich diesen Termin nicht alle freihalten, so dass nur eine relativ kleine Gruppe zur Reise antrat (siehe "MVF in Bildern"). Die Daheimgebliebenen wissen spätestens nach der Rückkehr des Orchesters, dass ihnen wirklich etwas entgangen ist. Auch in diesem Sommer trifft man sich wieder zu den Stammtischen. Allerdings bringt das bevorstehende Jubiläum eine Menge Arbeit für Vorstand, Festkomitee und selbst für die an der Organisation nicht unmittelbar Beteiligte, so dass man sich schon am Ende der Sommerferien im Musikhaus einfindet, um eine der wichtigsten Einkünfte des Großereignisses zu sichern: Die Lose. 20 000 müssen geklebt und gefaltet werden. Auch das nimmt man mit Humor - solange genug Kölsch da ist. Während die Vorbereitungen fortschreiten, geht das Vereinsleben natürlich weiter. Das Herbstkonzert wird in Zusammenarbeit mit dem Musicalprojekt Oberberg veranstaltet, für das laufende Jahr wird schon für die Carmina Burana geprobt, die im Oktober 2006 mit großem Erfolg aufgeführt wurde (siehe "Konzerte"), und im Oktober 2005 sind die MVF-Musiker sogar noch zu Besuch in Markneukirchen.